Versuchte Abschiebeblockade in Lüdinghausen

Am Montag, 11. Mai 2015, fanden sich ca. 36 Aktivist*innen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Lüdinghausen ein, um die Abschiebung ihres Freundes Suiney zu verhindern.

Haupteingang

Suiney ist aus Mali nach Italien geflohen und lebte seit einem halben Jahr in Lüdinghausen.
Die Abschiebung nach Italien bedeutet für ihn eine ungewisse Zukunft, da er dort wenig bis keine Chancen auf materielle bzw. finanzielle Unterstützung hat.
Im Vorfeld der Abschiebung wurde er bestmöglich von Helfer*innen auf ein Leben in Italien vorbereit. Papiere und Texte wurden auf Italienisch übersetzt, Kontakte in Italien wurden hergestellt.
Es wurde veranlasst, dass ein Arzt ihn während seiner Abschiebung begleitet, da Suiney schwer traumatisiert ist. Aufgrund seiner traumatischen Erfahrungen hat Suiney eine Reiseunfähigkeitsbescheinigung, durch die seine Abschiebung bis auf einen Tag vor Ende der Dublin-Frist hinausgezögert werden konnte.

Um diese Abschiebung zu verhindern fanden sich ca. 36 Aktivist*innen, aus Lüdinghausen, dem Kreis Coesfeld, Münster und dem Ruhrgebiet vor Suiney´s Unterkunft ein. Sie bildeten eine friedliche Sitzblockade vor dem Eingang des Gebäudes und dem Gartentor.

Gartentor

Im Laufe der Nacht hatten Unbekannte mit Drähten und Kabeln ein Gartentor der Unterkunft verschlossen, um der Ausländerbehörde ein Eindringen in die Unterkunft zu erschweren.

Etwa 20 Minuten nachdem die Blockierer*innen es sich mit Decken und warmen Tee vor den Eingängen bequem gemacht hatten, traf die Polizei ein, zog sich aber nach einem kurzen Gespräch mit den Blockierer*innen wieder zurück. Schließlich erschienen Beamte der Ausländerbehörde. Als die Aktivist*innen ihnen den Zutritt zum Gebäude verweigerten, machte sie über den Lautsprecher eines Polizeiwagens eine Durchsage an Suiney. Er wurde dazu aufgefordert, das Gebäude innerhalb von 10 Minuten zu verlassen, da er sich ansonsten der Abschiebung entziehe und zur Fahndung ausgeschrieben werde.

Schilder

Dabei handelt es sich um eine dreiste Lüge: Solange der Betroffene sich zum Zeitpunkt der Abschiebung in seiner Unterkunft befindet, entzieht er sich nicht der Abschiebung. Schließlich kann er nichts dafür, wenn Andere den Eingang blockieren und er die Unterkunft deshalb nicht verlassen kann.

In der Hoffnung, dass ein Übersetzer Suiney diesen Sachverhalt erklären könne, gewährten die Blockierer*innen ihm und einer Mitarbeiterin des Sozialamtes Zutritt zum Gebäude.
Diese Hoffnung wurde aber dadurch enttäuscht, dass der Übersetzer Suiney die Behauptung der Ausländerbehörde erneut übersetzte.
Suiney entschied sich aus Angst vor der scheinbar drohenden Haft dafür, das Haus zu verlassen.

An der Eingangstür versuchten die Aktivist*innen ihm zu erklären, dass er in der Tür stehen bleiben bzw. wieder ins Haus gehen könne. Die Ausländerbehörde hatte ja zu diesem Zeitpunkt erkannt, dass er sich der Abschiebung nicht entzogen hatte und vor Ort war. Suiney hatte sich allerdings schon dazu entschieden das Gebäude zu verlassen und sich der Abschiebung zu fügen. Nach einem emotionalen Abschied von seinen Freund*innen stieg er freiwillig in den Wagen der Ausländerbehörde.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Menschen bedanken, die am heutigen Morgen versucht haben, eine der vielen menschenunwürdigen Abschiebungen, die momentan stattfinden, zu verhindern. Auch der schreckliche Ausgang der Aktion ist für uns kein Grund, Entscheidungen ohne die Zustimmung der Betroffenen zu treffen.
Die Aktion heute Morgen war die erste ihrer Art in Lüdinghausen und gibt hoffentlich einen wichtigen Impuls in die richtige Richtung. Wir müssen alle gemeinsam mehr Aufmerksamkeit schaffen für die vielen menschenunwürdigen Abschiebungen und uns aktiv dagegen einsetzen!

Wir wünschen unserem Freund Suiney viel Glück in Italien und hoffen darauf, ihn bald wieder zu sehen!