In der Nordstadt war irgendwie doch Platz für Nazis…

…was irgendwie seltsam ist, wenn Mensch bedenkt, wie viel Platz die Polizei am 03.01.2015 beanspruchte (Verhätnis [Antifaschist_innen/Polizei]: [1:1,5], [Nazis/Polizei]: [1:7,5]).

Am 21.12.2014 sollte eigentlich eine Kundgebung der Partei „Die Rechte“, die ein Auffangbecken für ehemalige Mitglieder des „Nationalen Widerstands Dortmund“ ist, auf dem „Platz der Nationen“ stattfinden. Allerdings folgten 300+ Antifaschist_innen dem Aufruf von Blockado und blockierten den Weg zum Kundgebungsort, wodurch sie verhinderten, dass die Nazis ihren Müll verbreiten konnten. Stattdessen standen sie stundelang im Regen und wurden von Anwohner_innen mit Eiern beworfen. Die Polizei hatte allerdings nicht mit so vielen Menschen, die dazu bereit waren sich den Nazis in den Weg zu stellen, gerechnet und musste im Laufe des Tages immer wieder Verstärkung anfordern, weil es ihr nicht möglich war die Nazis zu ihrem Kundgebungsort zu eskortieren. Diese Überforderung resultierte in wahllosen Schlagstock- und Pfeffersprayeinsätzen gegenüber Antifaschist_innen und Kindern(!).

Die Nazis haben also am 21. gemerkt, dass sie auf diese Art nicht wirklich weit (in die Nordstadt) kommen werden.

Nur sechs Tage später waren sie wieder da, diesmal unangekündigt und in extrem dezimierter Form. Ohne vorher zu öffentlich zur Kundgebung aufzurufen, hatten sie es also tatsächlich auf den „Platz der Nationen“ geschafft und konnten sich dort ungestört, umringt von Polizist_innen, gegenseitig mit ihrem Gelaber langweilen. Ungestört allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich 50 Antifaschist_innen in Hörweite zu einem spontanen Protest versammelten.
Nun haben die Nazis also gemerkt, wie sie es mindestens schaffen auf ihren Lieblingskundgebungsort in der Nordstadt zu kommen, ohne von Antifaschist_innen blockiert zu werden – unangekündigt.

Für den 03.01.2015 hatten sie sich trotzdem für 16:00 Uhr angekündigt. Allerdings waren sie bereits um 13:30 Uhr auf dem Platz. Die Kundgebung wurde spontan vorverlegt, aus Angst vor den Protesten.
Auch die Polizei schien besorgt zu sein, dass so viele „linksautonome Straf- bzw. Gewalttäter“ gegen die Kundgebung aktiv werden würden, dass diese am Ende vielleicht nicht stattfinden könnte.
Bereits ab 13:15 Uhr war die komplette Nordstadt voll von Polizist_innen aus Bochum, Münster und Dortmund. Die U-Bahn Haltestellen Münsterstraße und Leopoldstraße waren kurz vor Beginn der Nazikundgebung für alle Menschen, die irgendwie so aussahen, als würden sie die Idylle der Kundgebung stören wollen, nicht mehr passierbar.
Als sich trotz des verfrühten Erscheinens der Nazis Antifaschist_innen in der Nordstadt sammelten und versuchten ihren Protest in der Nähe des Platzes deutlich zu machen, wurde ihnen bereits in Seitenstraßen der Weg von Polizist_innen versperrt. Später gelang es den rund 200 Antifaschist_innen, die sich mittlerweile versammelt hatten in Form einer Gegendemonstration in 30 Meter Entfernung die (eh bescheuerten) Redebeiträge der Nazis zu übertönen.

Nachdem die Nazis um ca 16:00 Uhr von der Polizei in Richtung Hauptbahnhof eskortiert wurden, versuchte das Bündnis BlockaDo um ca 16:30 Uhr, eine Demonstration gegen Antisemitismus und die Schändung eines jüdischen Mahnmals nach Dortstfeld anzumelden, dies wurde von der Einsatzleitung der Polizei jedoch untersagt, eine annehmbare oder gar rechtssichere Begründung teilte die Polizei nicht mit.
Ab ca 16:45 Uhr bewegte sich eine Gruppe von ca 100-150 Antifaschist_innen zum Hauptbahnhof um ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit in Anspruch zu nehmen und mit der Bahn nach Dorstfeld zu fahren. Dieses Vorhaben wurde allerdings durch extrem aggressives Verhalten der Polizist_innen im Bahnhof verhindert.

Daraufhin machte sich die Gruppe in Richtung der Ubahn Haltestelle Reinoldikirche auf den Weg, wo es zu einer extrem unübersichtlichen Situation kam. Als die Gruppe von Antifaschist_innen eine U-Bahn in Richtung Dorstfeld betrat, drängten sich auch Polizist_innen mit ihnen in die Bahn, obwohl eigentlich kein Platz mehr für sie war. Als die Polizist_innen begannen Menschen in der Bahn zu schubsen um Platz für sich zu schaffen, verließen die Antifaschist_innen die U-Bahn, um dieser unangenehmen Situation zu entkommen. Allerdings wurde eine kleinere Gruppe von Antifaschist_innen im hinteren Teil der Bahn durch Gewaltanwendung der Polizist_innen daran gehindert die U-Bahn zu verlassen und fuhren so gezwungenermaßen ab.
Die auf dem Bahnsteig verbliebenen Antifaschist_innen teilten sich nun auf, eine Gruppe fuhr mit der nächsten Bahn zum Westentor, um den dort vermuteten Genoss_innen zur Hilfe zu kommen.
Allerdings waren die vermissten Genoss_innen beim Verlassen der U-Bahn Station Westentor, weshalb sich die Gruppe von ca 50 Antifaschist_innen entschied, zurück zum Hauptbahnhof zu gehen, da dort angeblich 20 Nationalsozialisten in einem Polizeikessel festgehalten wurden, um dem antifaschistischen Protest weiterhin Ausdruck zu verleihen.
Allerdings wurde bei der Ankunft am Hauptbahnhof schnell deutlich, dass nur fünf, mit der Situation überforderte, Polizist_innen eine Gruppe von Neonazis begleitete, die sobald die Antifaschist_innen in Sichtweite kamen mit „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“– in Richtung der sich nähernden Antifaschist_innen stürmten.
Als einige mutige Antifaschist_innen diesen Angriffsversuch seitens der Nazis entschlossen abwehren wollten, passierte schwer vorstellbares: Anstatt die Nazis zurückzuhalten, gingen die Polizist_innen mit gezogenen Schlagstöcken auf die Antifaschist_innen los, ohne sich dabei um die Nazis in ihrem Rücken zu kümmern, die johlend versuchten gemeinsam mit der Polizei auf die Antifaschist_innen loszugehen. Erst nach dem hinzuziehen weiterer Polizeikräfte, hielt die Polizei die Neonazis zurück, drängte aber gleichzeitig die Antifaschist_innen bis zum Dortmunder U.
Kaum zu glauben, dass die Polizei sich dazu entscheidet aggressive und gewaltbereite Neonazis nicht zurückzuhalten, sondern stattdessen dazu bereit scheint, gemeinsam mit ihnen auf Antifaschist_innen einzuprügeln.

Als die weiteren Polizeikräfte einen Rückzug der Antifaschist_innen bis zum Dortmunder U erzwungen hatten, wurden diese dort gekesselt und für ca 30 Minuten festgehalten. Im Verlaufe des Kessels wurde ein Genosse gewaltsam festgenommen, indem drei Polizist_innen ihn zu Boden warfen und sich auf ihn knieten. Als Antifaschist_innen und Pressevertreter_innen die Festnahme dokumentieren wollten, wurden sie von den Beamten daran gehindert. Die Beamten weigerten sich ebenfalls, den Namen des festgenommenen Genossen preiszugeben.
Als der Kessel schließlich aufgelöst wurde, sprach der Einsatzleiter einen Platzverweis für das Gebiet Dorstfeld aus, wo zur gleichen Zeit ca 15 Nazis, von der Polizei ungehindert, auf 3 Antifaschist_innen losgingen, die sich gerade noch in ein Taxi retten konnten.

Es wurde auch berichtet, dass die Nazis während ihrer Abreise nach Dortfeld Passant_innen angingen, die nach ihrer Auffassung nicht deutsch genug aussahen.

Insgesamt zeigen die Ereignisse des 03.01.2015, dass die Polizei alles dafür tut, damit Nazis ihr menschenverachtendes Gedankengut verbreiten können. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, auf friedliche Gegendemonstrant_innen einzuprügeln und tut dies sogar gemeinsam mit den Nazis.

Lesesnwerter Blogeintrag eines Genossen: http://gesellschaftsfaehigkeit.blogsport.eu/2015/01/03/staat-und-nazis-hand-in-hand-ein-bericht-vom-3-januar-2015-aus-dortmund/
Blockado Pressemitteilung: http://www.blockado.info/nazikundgebung-der-nordstadt-wieder-nur-heimlich-polizei-untersagt-kundgebung-gegen-antisemitismus/
Sicht der Nazis (Naziseite): http://www.dortmundecho.org/2015/01/nordstadt-kundgebung-rundet-kampagne-gg-polizeiwillkuer-ab-linke-kneifen-in-dorstfeld/